{"id":127,"date":"2026-05-23T13:48:27","date_gmt":"2026-05-23T13:48:27","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.ethik-forum-luzern.ch\/wordpress\/?page_id=127"},"modified":"2026-05-23T13:54:16","modified_gmt":"2026-05-23T13:54:16","slug":"globale-wirtschaftsethik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ethik-forum-luzern.ch\/index.php\/kinder\/umdenken\/globale-wirtschaftsethik\/","title":{"rendered":"Globale Wirtschaftsethik"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"550\" height=\"273\" src=\"https:\/\/www.ethik-forum-luzern.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/bild_referenten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-130\" style=\"width:1087px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.ethik-forum-luzern.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/bild_referenten.jpg 550w, https:\/\/www.ethik-forum-luzern.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/bild_referenten-500x248.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lebensqualit\u00e4t und Zukunftsf\u00e4higkeit sind gef\u00e4hrdet, weil unsere Wirtschaft nicht nachhaltig ist.<br>Unsere Erde \u201egeh\u00f6rt\u201c allen, die darauf\u00a0existieren, nicht nur den Reichen. Alle sollen von den G\u00fctern unseres Planeten leben k\u00f6nnen und zwar nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">LEITSATZ<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ethik ist das kritische Nachdenken \u00fcber die Fragen nach dem guten Leben, dem gerechten Zusammenleben und dem verantwortungsvollen Handeln. Nachhaltig ist eine Wirtschaft , welche unter den Bedingungen der \u00f6kologischen Grenzen, der \u00f6konomischen Knappheit und der gesellschaftlichen Geltung der Menschenrechte das Leben so gestaltet, dass zuk\u00fcnftigen Generationen die Chance haben, in einer uns vergleichbaren Weise nach Erf\u00fcllung des Lebens zu streben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Indikator der Lebensqualit\u00e4t in einer Volkswirtschaft ist der Wohlstand als Summe aller produzierten G\u00fcter und Dienstleistungen zu Marktpreisen im Inland (Bruttoinlandprodukt, BIP). Zugleich ist es ein Gradmesser f\u00fcr die Wirtschaftskraft und dient als Wohlstandvergleich (BIP durch Anzahl Einwohner).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur, die Umweltzerst\u00f6rung als Folge des Wirtschaftswachstums, der stetige Rationalisierungsdruck in der Arbeitswelt oder die Hektik eines konsumorientierten Lebensstils lassen bei immer mehr Menschen Zweifel daran aufkommen, ob der wirtschaftliche \u201eFortschritt\u201c unsere Lebensqualit\u00e4t wirklich verbessert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es liegt an der Wirtschafts-Ethik, dar\u00fcber grunds\u00e4tzlich nachzudenken. Massstab dazu ist eine lebensdienliche Wirtschaft unter Beachtung der sozialen und \u00f6kologischen Rahmenbedingungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Wohlstandsteigerung braucht es Wirtschaftswachstum. Es ist das Heilmittel, bei dem sich gesellschaftliche Probleme von selber l\u00f6sen\u2026, Wohlstand ohne Grenzen? Nur, eine Wirtschaft kann wegen ihren bekannten unerw\u00fcnschten Nebeneffekten nicht unendlich wachsen. Was die Ressourcen aber anbetrifft, die auf unserer Erde begrenzt sind, zeigt derzeit noch keine Folgen. Der Markt \u2013 jedenfalls bei uns \u2013 funktioniert weiterhin so, als ob die nat\u00fcrlichen Ressourcen unbegrenzt w\u00e4ren. S\u00e4ttigungstendenzen in einer Gesellschaft, die alles hat und die ungleiche Verteilung des Reichtums m\u00fcssten eigentlich das Wachstum begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen der Eintretensdebatte \u00fcber die Klimapolitik nach 2012 hat Nationalrat Schweiger die geplante Reduktion des CO2 Ausstosses bis 2020 um 20 % gegen\u00fcber dem Referenzjahr 1990 in Frage gestellt. Er begr\u00fcndete dies mit folgenden Zahlen: Bis 2020 werde der Verkehr um + 50 Prozent, der Wohnraumbedarf um + 30 Prozent, der Wohnungsbau um + 20 Prozent, die Einwohnerzahl um + 25 Prozent\u2026<br>Welche Schweiz wollen wir unseren Kindern und Enkel hinterlassen?<br>Wachstum um welchen Preis?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Massenproduktion und Massenkonsum haben dazu gef\u00fchrt, dass die nat\u00fcrlichen Kreisl\u00e4ufe in unserem \u00d6ko-System Erde durchbrochen werden. Luftverschmutzung, Ozonloch, Treibhauseffekt sind Stichworte dazu.&nbsp;Ein Ausweg aus diesem drohenden Desaster ist ein nachhaltiges Wirtschaften. Von diesem sind wir weit entfernt, wir leben auf zu grossem Fuss\u2026. &nbsp;Auch erf\u00fcllen wir uns zunehmend unsere Sinnbed\u00fcrfnisse \u00fcber Konsum. Wir kaufen uns Identit\u00e4t und Gl\u00fccksgef\u00fchle. Was aber passiert mit uns, wenn die Wirtschaft fallen w\u00fcrde? Wer f\u00e4ngt uns auf?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir leben \u00fcber unseren Verh\u00e4ltnissen. Konkret f\u00fchrt unsere Lebensweise etwa zu einem Verbrauch von nat\u00fcrlichen Ressourcen wie Bodensch\u00e4tzen, Erd\u00f6l, usw. die zuk\u00fcnftigen Generationen fehlen werden. Die nat\u00fcrliche Umwelt wird zunehmend zerst\u00f6rt. Zahlreiche Pflanzen-und Tierarten sind bedroht oder bereits ausgestorben. Unser Lebensstil hier in der Schweiz derzeit braucht etwa 5 Planeten (effektive Fl\u00e4che 41000 km2, der Fl\u00e4chenbedarf zur nachhaltigen Produktion des heutigen Konsumniveaus ist 231000 km2 = 5,5mal, \u00f6kologischer Fussabdruck).<br>Unser Lebensstil ist so nicht zukunftsf\u00e4hig bzw. umweltvertr\u00e4glich. Ein umweltvertr\u00e4glicher Lebensstil nach Garton Ash mit seinen Erkenntnissen vom globalen Ressourcenverbrauch und damit der Obergrenze von Wachstum hat die Kriterien Energieeffizienz, Konsistenz und Suffizienz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Konsistenz<\/strong>&nbsp;meint vereinfacht eine Kreislaufwirtschaft, die keinen Abfall, Ausschuss oder Verlust und einem Minimum an Ressourcenverbrauch, ausl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Energieeffizienz<\/strong>&nbsp;bedeutet weniger Input an Energie und mehr Output bei der Produktion von G\u00fctern bzw. Dienstleistungsangebot.&nbsp;Massstab f\u00fcr diese ist die sogenannte 2000-Watt-Gesellschaft. Als prestigetr\u00e4chtiges Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr eine Green Economy. Gem\u00e4ss dem Beitrag des Tagesanzeigers vom 24.2.2011 hat Z\u00fcrich und f\u00fcnf weitere Schweizer-Energiest\u00e4dte einen guten Start in den Marathon gleistet. Die energetische Dauerleistung liege bei rund 500 Watt pro Einwohner (landesweiter Durchschnitt von 6300 Watt. Das bedeutet: Pro Person brennen 63 Gl\u00fchbirnen zu 100 Watt rund um die Uhr, also 8760 Stunden pro Jahr. Dieser hohe Energieverbrauch ist verbunden mit einem CO2-Ausstoss von 8,5 Tonnen pro Einwohner. Ziel ist, diesen Verbrauch auf 200 Watt herunter zu schrauben.&nbsp;Nur, die graue Energie fehlt in der Bilanz (Energieverbrauch f\u00fcr die Herstellung, Transport, Lagerung und Entsorgung des Produkts. Auch ist die Mobilit\u00e4t \u2013 z.B. Fl\u00fcge \u2013 in der Buchhaltung nicht erfasst. Gravierender ist der Umstand, dass die 200o Watt-Gesellschaft steht oder f\u00e4llt mit der Bereitschaft der Bev\u00f6lkerung, sie auch zu leben. Eine Gesellschaft, die sich alles leisten kann und zunehmend leistet, komme einer Provokation nahekommt: Verzicht (Suffizienz).Und\u2026 eine Gesellschaft, die keinen echten Fortschritt mehr leistet, unterliegt dem sogenannten Rebound-Effekt (Abprall). Das heisst, der technische Fortschritt bzw. etwa eine Energie-Einsparung bei einem Auto mit weniger Benzinverbrauch (Energieeffizienz) wird laufend durch Zuwachs an Gr\u00f6sse, Leistung und Ausstattung zunichte gemacht. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Suffizienz<\/strong>&nbsp;bedeutet eine Obergrenze an Bed\u00fcrfnissen. Suffizienz bedeutet kein Zur\u00fcck in die Steinzeit, sondern einen Mehrwert an Lebensqualit\u00e4t, in der eine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr unsere einzige und verletzliche Erde zu einem gemeinsamen solidarischen Handeln f\u00fchren soll). &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMasslosigkeit oder hin zu einem global vertr\u00e4glichen Lebensstil\u201c war der Titel zum 1. Ethik-Forum-Luzern 2010. Eine der Referentinnen war die Benediktinerin M. Benedetta Selene Zorzi. Sie vertritt die Ansicht, dass die antike spirituelle Weisheit der Regeln des heiligen Benedikts ein Lebensentwurf sein k\u00f6nnte, die der Erde eine Zukunft garantieren kann. Benedikt gr\u00fcndet einen Lebensstil, indem er dem Leben ein&nbsp;<em>Mass<\/em>&nbsp;gibt. &nbsp;Nino Paech, Wirtschaftswissenschaftler am Lehrstuhl Produktion und Umwelt (PUM) an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg, schreibt in seinem ausgezeichneten Beitrag \u201eDie Legende vom nachhaltigen Wachstum- ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Verzicht\u201c im Le Monde diplomatique, September 2010: \u201eW\u00fcrden wir eine Welt vermissen, in der man sich zwischen drei Dutzend Fernsehprogrammen, Internet, DVD, Kino und anderen Zerstreuungen glaubt entscheiden zu m\u00fcssen und in der der Spass zum Freizeitstress wird. Er fragt sich, ob es nicht sch\u00f6ner w\u00e4re, wieder mehr selbst zu gestalten? Mehr Zeit f\u00fcr die Kinder zu haben. Endlich mal wieder selbst Musik zu machen oder zu kochen, dem Nachbarn zu helfen oder sich ehrenamtlich zu engagieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedingung w\u00e4re ein entschleunigter Lebensstil. Ein nachhaltiger &nbsp;\u2013 global vertr\u00e4glicher Lebensstil muss eine Kunst der Reduktion unserer Bed\u00fcrfnisse werden. Sie bedingt eine Gen\u00fcgsamkeitsstrategie. In einem ersten Schritt wird&nbsp;die verzweifelte Suche nach weiteren Steigerungen von G\u00fcterwohlstand mit einer Gegenfrage konfrontiert: Welcher Plunder, der nur wachstumsabh\u00e4ngig ist, liesse sich \u00fcber Bord werfen? In einem zweiten Schritt m\u00fcssten nichtkommerzielle Versorgungsaktivit\u00e4ten reaktiviert werden: Eigenarbeit, handwerkliche F\u00e4higkeiten, (urbane) Subsistenz, Community-G\u00e4rten, Tauschringe, Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenkungsm\u00e4rkte, gemeinschaftliche Nutzung von Ger\u00e4ten sowie regionale Kreisl\u00e4ufe auf Basis zinslos umlaufgesicherter Komplement\u00e4rw\u00e4hrungen w\u00fcrden zu einer graduellen Deglobalisierung verhelfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcrden diese Strategien mit einer Halbierung der durchschnittlichen Erwerbsarbeit kombiniert, br\u00e4uchte der auf Geldwirtschaft und industrieller Arbeitssteilung nur halb so gross zu sein. Zudem w\u00e4re er so umzugestalten, dass die Neuproduktion von G\u00fctern eine eher untergeordnete Rolle spielte. Der Focus l\u00e4ge auf dem Erhalt, der Um-und Aufwertung vorhandener Produktbest\u00e4nde und Infrastrukturen und auf der l\u00e4ngeren und intensiveren Nutzung von Gegenst\u00e4nden. (langlebige G\u00fcter). Zudem w\u00e4ren Elemente einer Geld- und Bodenreform sowie die Einf\u00fchrung individueller Kohlendioxidbilanzen notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine derartige Postwachstums\u00f6konomie w\u00e4re gen\u00fcgsamer, aber auch stabiler und \u00f6kologisch weitaus vertr\u00e4glicher. Und sie w\u00fcrde auch viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung ganz schwindelig wird<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir fragen: Wieso wird nicht endlich in der Politik die Frage gestellt, wieso wir immer mehr haben m\u00fcssen?<br>Wir fragen: Haben viele von uns nicht schon beinahe alles?&nbsp;<br>Wir fragen: Wann ist es denn eigentlich genug? Eine nachhaltige Wirtschaft h\u00e4tte es doch nicht n\u00f6tig, uns &nbsp;immer noch mehr einzutrichtern, dass wir \u201ees uns Wert sind\u201c dieses und jenes auch noch zu kaufen.<br>Denn sie w\u00fcrde begreifen, dass ein hedonistisches Verhalten ungesund ist, f\u00fcr den Betroffenen und die Gesellschaft, und nicht zuletzt f\u00fcr die Mitlebewesen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir fragen: Ist unser moderner Fortschrittsbegriff \u00fcberhaupt noch haltbar?<br>Wir fragen: Brauchen wir zur Zielerreichung sogar ein revolution\u00e4res Umdenken in Sachen \u00d6kologie?<br>Wir fragen: Brauchen wir Bildungsst\u00e4tten\/Think Tankfabriken, die neue Gesellschaftsentw\u00fcrfe denken?<\/strong><strong>Siehe dazu unser Projekt: Stiftung<br>\u201eDen Kindern geh\u00f6rt die Zukunft F\u00f6rderung eines Instituts f\u00fcr neue Gesellschaftsmodelle\/Visionen an der UNI\/Fachhochschulen der Zentralschweiz.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebensqualit\u00e4t und Zukunftsf\u00e4higkeit sind gef\u00e4hrdet, weil unsere Wirtschaft nicht nachhaltig ist.Unsere Erde \u201egeh\u00f6rt\u201c allen, die darauf\u00a0existieren, nicht nur den Reichen. 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